Job Crafting – die Kunst, den eigenen Job neu zu erfinden

Haben Sie bei einem Mitarbeitenden das Gefühl, dass er/sie nicht mehr so zufrieden zu sein scheint, im Job? Oder kennen Sie das Gefühl vielleicht auch selbst? Sie merken, dass sich etwas verändert hat und sie Schritte einleiten wollen, damit sie selbst wieder motivierter sind im Job.

Wenn sich jemand mit diesem Gefühl an mich wendet, nutze ich in meiner Coaching Praxis häufig den LINC Profiler. Das Profil basiert auf dem Persönlichkeitsmodell Big Five und gibt auch Auskunft über die eigenen Motive (anhand David McClelland) und die eigenen Komeptenzen.

Denn wenn Sie sich in Ihrem Job nicht mehr so wohl fühlen, kann es gut sein, dass Sie Ihre Motive oder Charaktereigenschaften nicht mehr so gut ausleben können. Häufig ist dann bei meinen Coachees ein erster Impuls “ok, dann muss ich mir wohl jetzt doch mal einen anderen Job suchen”. Ja, das kann EINE Möglichkeit sein und alternativ ist häufig auch das ‘Job Crafting’ eine gute Idee.

Die Wissenschaftlerinnen Amy Wrzesniewski und Jane E. Dutton, die sich seit über 20 Jahren mit dem Thema beschäftigen und es mitentwickelt haben, definieren Job Crafting wie folgt:

‘Job Crafting ist ein Prozess, bei dem Mitarbeiter ihre Arbeitsaufgaben auf eine für sie persönlich sinnvolle Weise neu definieren und gestalten.                                                  Diese Veränderungen können wiederum die Sinnhaftigkeit der Arbeit beeinflussen.’

Beim Job Crafting geht es darum, dass Sie eine aktive Rolle bei der Neugestaltung der eigenen Arbeit übernehmen, um wieder zufriedener zu sein. Sie haben die Möglichkeit, Aufgaben, Beziehungen und Schnittstellen und/ oder die Bedeutung der Arbeit zu verändern. Fragen Sie sich:

  • Welche Aufgaben kann ich in mein Arbeitsfeld integrieren oder andere entfernen? Schreiben Sie drei Aufgaben auf, die Sie gerne machen und drei, die Sie lieber weglassen würden (Task Crafting)
  • Mit welcher Person möchte ich gerne mehr zusammenarbeiten und mit welchen weniger? (Relational Crafting)
  • Welche Auswirkungen hat meine Arbeit? Wie zahle ich auf das große Ganze ein? (Cognitive Crafting)

Auf individueller Ebene können Sie sich die o.g. Fragen stellen und diese mit Menschen reflektieren, die Sie gut kennen, um dann nächste Schritte abzuleiten, die Sie mit Ihren Vorgesetzten besprechen. Sie können Job Crafting auch als ganzes Team umsetzen. Häufig passiert es dann, dass Aufgaben und Rollen im Team anders verteilt werden, so dass alle bestmöglich auf den eigenen Interessen und Sträken arbeiten können. Durch Ihr Job Crafting können Sie zudem auch eine ganze Organisation weiterentwicklen: Nehmen wir an, Ihnen liegen Umweltfragen sehr am Herzen und Sie arbeiten in einem Unternehmen, in dem ‘Nachhaltigkeit’ nicht direkter Teil des Leitbildes ist. Suchen Sie innerhalb des Unternehmens nach Möglichkeiten, um zu grünen Initiativen beizutragen. Es können Kleinigkeiten sein, indem Sie Ihre Kolleg/innen dafür sensibilieren, oder Sie können Projekte anstoßen und Graswurzelintiativen gründen, die Potential entfalten, im Unternehmen größere Kreise zu ziehen.

Auch außerhalb der Arbeit können Sie Job Crafting nutzen, indem Sie bestehende Verantwortlichkeiten sinnvoller gestalten, indem Sie diese mit persönlichen Zielen oder Interessen verbinden. Wenn Ihnen z.B. wichtig ist, jungen Menschen etwas mit auf den Weg zu geben, Sie dazu aber im Unternehmen nur wenige Möglichkeiten haben, überlegen Sie, was Sie außerhalb der Arbeit tun können: Vorträge an der Berufsschule halten, Fußballtrainer der D-Jugend werden, sich als Mentor/in zur Verfügung stellen, …

Job Crafting könnte genau das sein, was Sie dabei unterstützt, in Ihre Arbeit wieder mehr Sinn und Leichtigkeit zu bringen.